Freie Schule Hitzacker
Unsere Geschichte
Die Geschichte unserer Schule erzählt von Initiative und gelebter Verantwortung. Aus einem freien Gründungsimpuls ist ein Schulorganismus gewachsen, der sich bis heute in gemeinsamer Arbeit erhält und erneuert.
Jeder Mensch ein Künstler,
Joseph Beuys
»Am Anfang war die Tat«
Die Freie Schule Hitzacker verdankt ihre Existenz einer Gruppe entschlossener Menschen, darunter Eltern, Unterstützer und fünf Pädagogen*, die zu Beginn der 1990er Jahre im strukturschwachen Wendland eine Waldorfschule gründen wollten.
Unbeirrt und gegen den ausdrücklichen Rat von wohlmeinenden Beobachtern* und ohne Unterstützung des Dachverbands der Freien Waldorfschulen wurde am 1. September 1993 die Schule mit 21 Kindern in einem umgebauten Baumarkt am Fuße des Hitzackeraner Weinbergs eröffnet.
Die Freiheit des Geisteslebens
Der Gründungsimpuls entsprang sowohl Rudolf Steiners „plastisch-musikalischer Menschenkunde“ als auch den sozial-künstlerischen Gedanken Joseph Beuys. Daraus folgte die Gründung einer Genossenschaft als Träger einer zukünftigen Schule. Eltern und Lehrer zeichneten Genossenschaftsanteile, ein paritätisch besetzter Aufsichtsrat begleitete den aus Lehrern* bestehenden Vorstand. Eltern und Lehrer zeichnen Genossenschaftsanteile, ein Aufsichtsrat begleitete den aus Lehrern bestehenden Vorstand. Eltern wie Lehrer verband das Ziel, einen Ort zu schaffen, an dem sich Kinder nach waldorfpädagogischen Prinzipien altersgemäß und gesund entwickeln konnten.
Die pädagogische Provinz
Mit der Schulgründung verbanden die Initiatoren*, einen Gedanken Goethes aus dessen Werk Wilhelm Meisters Wanderjahre. Sie verstanden sich auch als Kulturstifter und wollten auf dem Land einen Raum für eine aus der Jugend sich heraus entwickelnde Kultur schaffen. Die junge Schule sollte das Verbindende der Künste ins Zentrum der Bildung stellen und darüber hinaus in die Öffentlichkeit wirken.
Die Bewährungsprobe
An die ersten Jahre erinnert man sich als regelrechten Überlebenskampf. Das Land Niedersachsen zog seine in Aussicht gestellten Finanzzusagen zurück. So mussten die ersten drei Jahre ohne jegliche staatliche Zuwendungen überstanden werden. Die Schulgemeinschaft ließ sich davon nicht entmutigen: Eltern erhöhten ihren Schulgeldbeitrag, warben Spenden ein, gründeten “Leihgemeinschaften” und putzten das Schulgebäude. Lehrer* verzichteten auf Teile ihres Gehaltes.
Weitere Eltern wurden überzeugt, das Wagnis einzugehen und ihre Kinder der neugegründeten Schule anzuvertrauen.
Die Schule wuchs Jahr um Jahr, wodurch neue Nöte entstanden.
Der Neubau und der Grundstein auf der Kante
Mit wachsender Schülerzahl wurde ein Neubau unumgänglich. Im Februar 1999 erfolgte die Grundsteinlegung für den ersten Bauabschnitt am Hagener Weg. Bereits im September bezogen fast 200 Schüler* und Lehrer* die ersten drei neuen Gebäude. Der Grundstein, ein Pentagondodekaeder, wurde bewusst auf eine seiner Kanten gestellt, als Symbol dafür, dass die Schulgemeinschaft stets ihr Gleichgewicht finden müsse zwischen den pädagogischen Absichten des Kollegiums, den Erwartungen der Eltern und den Bedürfnissen der Kinder.
Anerkennung und erste Früchte
2002 wurde die Schule in den Bund der Freien Waldorfschulen aufgenommen. 2004 legten die ersten Schüler* erfolgreich ihr Abitur ab – ein großer Erfolg für alle Beteiligten. Die regelmäßige Beschäftigung mit anthroposophischer Menschenkunde und ihren Aussagen zur Kindesentwicklung wurde zum festen Bestandteil der pädagogischen Arbeit an der Schule, um die Waldorfpädagogik aus einer lebendigen Praxis weiterentwickeln zu können.
Eine lebendige Gemeinschaft
Die Pflege von Kunst und Kultur, die pädagogische Grundlagenarbeit sowie die Versammlung so vieler engagierter Menschen macht die Waldorfschule Hitzacker zu einem besonderen Ort. Sie zieht Familien und Kulturschaffende an. Heute werden rund 320 Schüler* in 13 Jahrgangsklassen unterrichtet. Zur Schulgemeinschaft gehören inzwischen auch zwei Kindergartengruppen, sowie seit 2014 ein berufsbegleitendes Lehrerseminar für Waldorfpädagogik. Das größte Lob aber kommt regelmäßig von Absolventen*, die ihre Kinder wieder unserer Schule anvertrauen.