Hauptunterricht

Unterrichten verstehen wir als Erziehungskunst. Im Verbund von Tun, Erleben und Erkennen, werden Denken, Fühlen und Wollen gleichermaßen angesprochen. Künstlerisches, praktisches und kognitives Lernen wirken dabei zusammen und bilden den ganzen Menschen.

Klassenlehrerprinzip

An der Waldorfschule begleitet eine Klassenlehrerin oder ein Klassenlehrer die Kinder durch die ersten acht Schuljahre. In dieser Zeit bringen sie den Kindern das Lesen und Schreiben bei, führen sie in die Bruchrechnung ein, vermitteln Geschichte, entdecken gemeinsam mit ihnen physikalische Gesetze oder chemische Zusammenhänge. Dabei bilden sie künstlerische und soziale Fähigkeiten aus und formen über die Jahre eine Klassengemeinschaft.

Im herkömmlichen Schulbetrieb unterrichten Fachlehrer – Menschen, die sich in einer Sache besonders gut auskennen. Von den Kindern aber wird erwartet, dass sie sich in allem auskennen. Dieser Widerspruch übersieht, wie Kinder eigentlich lernen: weniger durch Belehrung als durch Nachahmung. Sie erleben, wie ein Erwachsener mit Wissen lebt, wie er sich der Welt zuwendet – und werden ein Stück weit wie er. Die Waldorfpädagogik nimmt das ernst: Der Klassenlehrer ist selbst ein Generalist. Mit seiner ganzen Persönlichkeit geht er den Kindern voran und wird ihnen zur Bezugsperson und zum Vorbild.

Weil Klassenlehrer die Kinder über viele Jahre begleiten, kennen sie deren individuelle Entwicklung genau. Aus dieser Beziehung erwächst Vertrauen. Der Unterricht kann sich ganz nach der Klasse richten, also nach dem, was die Kinder gerade brauchen. Rudolf Steiner sah in dieser lebendigen Verbindung zwischen Lehrer und Klasse das Fundament einer wirksamen Erziehung.

Epochenunterricht

Der Epochenunterricht gehört zu den Grundprinzipien der Waldorfpädagogik. Jeden Morgen beginnt der Schultag mit dem Hauptunterricht: zwei Stunden, die über drei bis vier Wochen hinweg demselben Fach gewidmet sind. Dann ruht dieses Fach, und eine neue Epoche beginnt.

Durch diese Konzentration können die Kinder in ein einziges Thema eintauchen. Sie beschäftigen sich Tag für Tag damit, vertiefen und erweitern es, bis es ihnen vertraut wird. Wenn die Epoche endet, ist das Gelernte jedoch nicht abgeschlossen, sondern beginnt zu reifen. In der Pause zwischen den Epochen wirkt es weiter – und wenn dasselbe Fach Monate später wiederkehrt, begegnen ihm die Kinder mit einem neuen, gewachsenen Verständnis.

Rudolf Steiner erkannte, dass Lernen Rhythmus braucht: Zeiten der Konzentration und Zeiten des Abstands, Aufnehmen und Ruhenlassen. Der Epochenunterricht folgt diesem Prinzip und gibt den Kindern, was echtes Begreifen verlangt: zusammenhängende Zeit und die Möglichkeit, ein Thema von innen heraus zu durchdringen.

Formenzeichnen

Am allerersten Schultag begegnen die Kinder der Geraden und der Gebogenen – den beiden Urformen, aus denen sich alle weiteren Formen entwickeln. Damit beginnt das Formenzeichnen, eine bildnerische Tätigkeit eigener Art, die es nur an Waldorfschulen gibt und die die Kinder durch die gesamte Unterstufe begleitet.

Im Formenzeichnen geht es um reine Formen: Linien, Bögen, Schleifen, Symmetrien, Flechtbänder und Metamorphosen. Die Formen werden zunächst gelaufen, in der Luft gezeichnet, mit den Händen gegriffen, bevor sie auf dem Papier entstehen. So erfahren die Kinder die Formenwelt als etwas Lebendiges, das im eigenen Leib verankert ist.

Das Formenzeichnen schult Bewegungssinn, Gleichgewichtssinn, Sehsinn und Auge-Hand-Koordination, fördert Konzentration, Raumgefühl und innere Ordnung und bereitet zugleich das Schreiben vor. Ab der vierten Klasse geht es in die Freihandgeometrie über und bildet so die Grundlage für den gesamten späteren Geometrieunterricht.

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