In der achten Klasse, wenn die gemeinsame Zeit mit dem Klassenlehrer zu Ende geht, erarbeitet die Klasse ein Theaterstück. Im zwölften Schuljahr, kurz vor dem Abschluss, steht sie ein zweites Mal gemeinsam auf der Bühne. Für viele Schülerinnen und Schüler gehören beide Klassenspiele zu den stärksten Erlebnissen ihrer ganzen Schulzeit.
In den Proben wird die Klasse zum Bühnenensemble, und was das bedeutet, erschließt sich erst im Laufe der gemeinsamen Arbeit. Jeder hat eine Rolle, und jeder trägt das Stück mit. Wer auf der Bühne steht, muss beides gleichzeitig lernen: als Individuum in seiner Rolle das Beste zu geben und sich gleichzeitig ganz in den Dienst des Ensembles zu stellen. Diese Spannung zieht sich durch den ganzen Probenprozess. Sie ist künstlerisch und sozial zugleich, und sie will Woche für Woche neu ausgehandelt werden.
In dieser monatelangen Arbeit entwickeln die Schülerinnen und Schüler Sprache, Bewegung und kreativen Ausdruck, und mit ihnen wachsen Selbstvertrauen und soziale Kompetenz — weil das Stück es verlangt. Gerade stille oder unsichere Kinder entdecken in diesen Wochen neue Seiten an sich. Bei den öffentlichen Aufführungen zeigt sich ein Fest des individuellen Wachstums und des gemeinsamen Schaffens.