In der sechsten Klasse steht das Marionettenspiel am Beginn der großen Bühnenprojekte der Mittelstufe. Die Klasse wählt gemeinsam ein Märchen, und jede Schülerin, jeder Schüler baut im Handarbeitsunterricht eine eigene Puppe. In der Arbeit an Material, Form und Ausdruck entsteht eine persönliche Beziehung zur Figur. Wenn das Spiel beginnt, hat jeder eine Puppe, für die er Verantwortung trägt und die zugleich ihren Platz im gemeinsamen Ganzen hat.
Das Marionettenspiel trifft etwas Wesentliches an diesem Alter: Elfjährige und Zwölfjährige wollen sich zeigen, wollen wahrgenommen werden — aber noch nicht so exponiert wie ein Schauspieler auf der Bühne. Die Marionette gibt ihnen beides: die Erfahrung, etwas zu gestalten und einem Publikum zu präsentieren, und zugleich den Schutz, noch hinter der Figur zu stehen. Handwerk, Kunst und Auftritt wachsen hier zu einer gemeinsamen Aufgabe zusammen, bevor in den folgenden Jahren das Klassenspiel die Schülerinnen und Schüler selbst ins Rampenlicht stellt.